Schuldenfrei werden – jederzeit möglich mit den richtigen Maßnahmen

Diese Zahlen sagen viel zur Lage der Nation aus: Laut Zählung von Creditreform sind rund 6,8 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet. 

Hochgerechnet wurden im vergangenen Jahr fast 850.000 Mal die Vermögensauskunft (früher: Eidesstattliche Versicherung) abgegeben. 

In über 600.000 Fällen kam es dabei zu einem Haftbefehl. Zudem mussten 2020 fast 160.000 Immobilien zwangsversteigert werden. Wie soll man schuldenfrei werden?

keine Schulden

Inhaltsverzeichnis

3 Wege, um zu einer Entschuldung zu kommen

Soweit muss es aber nicht zwangsläufig kommen. Es stehen Dir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um sich aus einer Überschuldung bzw. aus der Schuldenfalle zu befreien. 

Das erfordert zwar ein hohes Maß an Disziplin und Einschränkung, ist aber auf alle Fälle realisierbar. Niemand mehr muss heutzutage sein Leben lang verschuldet bleiben. Zwischen drei verschiedenen Vorgehensweisen kannst Du Dich – je nach fallspezifischer Sachlage – entscheiden. 

Dies sind die 3 Wege, um zu einer Entschuldung zu kommen:

  1. Geregelter Schuldenabbau durch Ratenzahlungen und/oder Einsatz des Vermögens
  2. Schuldenfreiheit durch einen Vergleich mit den Gläubigern erzielen
  3. Schuldenfreiheit innerhalb von drei Jahren im Rahmen einer Insolvenz

Die jeweils individuelle Situation als wesentliches Entscheidungskriterium

Welche Option für Dich und Deine Situation die beste Lösung darstellt, kann immer nur individuell beantwortet werden. Ganz wichtig ist es, dass Du Dir im Vorfeld einen umfassenden Überblick über die angelaufenen Schulden sowie Deine finanzielle Gesamtsituation machst. 

Stelle dabei Deinen Arbeitslohn, sonstige Einkünfte und Dein Vermögen den Fixkosten (Miete, Strom etc.), den sonstigen Ausgaben und Deinen Verbindlichkeiten gegenüber.

Jetzt gilt es, erst einmal herauszubekommen, ob Du jeden Monat Verluste einfährst, also über Deine Verhältnisse lebst, oder ob Du einen monatlichen Gewinn erwirtschaften. 

Dies ermittelst Du ganz leicht, indem Du von Deinem Einkommen die festen Ausgaben abziehst.

1. Weg: Aktiver Schuldenabbau durch die eigene Leistung

Bleibt gemäß Deiner Gegenüberstellung am Monatsende Geld über oder beklagst Du lediglich einen geringen Verlust, ist ein Schuldenabbau aus eigener Kraft möglich. 

Es empfiehlt sich, spätestens ab diesem Zeitpunkt ein Haushaltsbuch zu führen. Die Aufzeichnungen helfen Dir dabei, weitere Sparpotenziale zu identifizieren und Kosten zu sparen.

Zudem solltest Du darüber nachdenken, weitere Einnahmequellen durch Nebenjobs zu erschließen. 

Ist das zeitlich eine Option für Dich? Dann kannst Du bis zu 450 Euro im Monat dazuverdienen, ohne dass dies vom Finanzamt auf Dein erzieltes Haupteinkommen steuerrechtlich angerechnet wird.

Hast Du zusätzlich einen Kredit laufen, solltest Du mit Deiner Bank über eine Umschuldung sprechen. Denn zum Beispiel ein Ratenkredit ist von der Zinsbelastung her immer günstiger als ein klassischer Dispositionskredit.

Das P-Konto als wichtiger Schutzfaktor vor Pfändungen

Nutzt Du die beschriebenen Möglichkeiten und schränkst Du Dich den Umständen entsprechend diszipliniert ein, bist Du in der Lage, Deine Schulden aus eigener Kraft abzutragen. 

Hierfür musst Du mit Deinen Gläubigern realistische Ratenzahlungsvereinbarungen eingehen. Eine fachkundige Beratung durch einen professionellen Schuldenberater ist diesbezüglich empfehlenswert.

Trotzdem kann zwischenzeitlich immer etwas schiefgehen, sodass Du die vereinbarten Raten nicht zahlen kannst. Dann drohen schnell Pfändungsmaßnahmen. 

Um Dich für einen solchen Fall zu wappnen, solltest Du ein Pfändungsschutzkonto (kurz: P-Konto) einrichten. Das sichert Dir einen der Lebenssituation angepassten Freibetrag zu, der nicht pfändbar ist. 

Du bestreitest Deinen Lebensunterhalt dadurch weiterhin selbst.

2. Weg: So schließt Du einen Vergleich mit Deinen Gläubigern

Eine Alternative zu dieser Vorgehensweise zur Entschuldung stellt der außergerichtliche Vergleich dar. Du kannst Dich auch in diesem Fall von Deinen Schulden befreien, ohne dass ein Gericht in den Vorgang eingreifen muss. 

Wenn Du Deine Schulden nicht mehr bezahlen kannst, also zahlungsunfähig bzw. überschuldet bist, wird ein außergerichtlicher Vergleich erforderlich. 

Im Klartext heißt das: Gemeinsam mit Deinen Gläubigern versuchst Du als Schuldner dabei, einen für alle Beteiligten akzeptablen Weg der Schuldenrückzahlung zu finden.

Dafür musst Du als Voraussetzung ein vollständiges Verzeichnis Deiner Schulden und der entsprechenden Gläubiger erstellen. Unter Berücksichtigung Deiner persönlichen Finanzlage lässt sich auf diese Weise ein Zahlungsplan erstellen. 

In diesem hältst Du schriftlich fest, in welcher Höhe und in welchem Zeitraum Du die einzelnen Verbindlichkeiten abzahlst.

Ein realistischer Schuldenbereinigungsplan führt zu einem Vergleich

Für die Erstellung eines solchen Schuldenbereinigungsplans solltest Du Dir grundsätzlich professionelle Hilfe holen. Hierbei kann es sich um eine Schuldnerberatung oder auch einen Anwalt oder beispielsweise eine Steuerberatung handeln. 

Eine professionelle Schuldnerberatung weist hierbei allerdings in den meisten Fällen die größte Kompetenz auf.

Anschließend legst Du den Plan dann Deinen Gläubigern vor. Stimmen alle involvierten Gläubiger dem Plan zu, wird ein Vergleich vertraglich fixiert. 

Hältst Du den Plan bis zum Schluss ein, bist Du schuldenfrei. Du musst bei diesem Vergleich übrigens nicht zwingend eine Einmalzahlung leisten. Auch eine Ratenzahlung zuzüglich festgelegter Zinsen sind als Lösung möglich. 

Bei einem erfolgreich vereinbarten Vergleich solltest Du dennoch ein P-Konto nutzen, respektive ein entsprechendes Konto einrichten. 

Wenn Du die Vereinbarung nicht einhalten kannst, gerätst Du schnell wieder unter Pfändungsdruck. Das federt ein solches Konto zumindest zum Teil ab.

3. Weg: Als letzter Schritt - Beantragen des Insolvenzverfahrens

Scheitert ein außergerichtlicher Vergleich hast Du als dritte Variante die Möglichkeit, ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Übernimmst Du dabei die Verfahrenskosten oder zahlst sogar einen Teil der Schulden, kann sich die Insolvenzdauer von sechs auf drei Jahre reduzieren. 

Allerdings hast Du in der Antragsphase noch die Chance, eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Denn bei einem möglichen Insolvenzverfahren laufen viele Gläubiger Gefahr, völlig leer auszugehen. 

Daher ist die Chance hoch, dass Sie dann doch noch Dein Vergleichsangebot annehmen.

Fazit: Eine ehrliche Bestandsaufnahme als Basis für die Vorgehensweise

Welcher der 3 Wege, um zu einer Entschuldung zu kommen, letztendlich für Dich die beste Lösung darstellt, hängt von Deiner finanziellen Situation und Deinen Einkommensverhältnissen ab. 

Daher ist es unabdingbar, dass Du Dir einen genauen Überblick über Deine Einnahmen, Ausgaben und Schulden machst. Das ist die Grundlage für alle weiteren Schritte. 

Mit kompetenter Hilfe einer erfahrenen Schuldnerberatung können dann alle Möglichkeiten überprüft werden und die richtigen Schritte eingeleitet werden.

Bilderquellennachweis: Bild 1 – © Schäferle | Pixabay; Bild 2 – © AndrewLozovyi | PantherMedia

Diesen Artikel teilen über...
Facebook
Twitter
LinkedIn
Email
Weitere Hilfeartikel
Ähnliche Artikel