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Eine Kontopfändung ist existenzgefährdend. Nach einer Kontopfändung wird das gesamte Guthaben auf einem Konto eingefroren und an den Gläubiger überwiesen wenn man nicht schnell genug reagiert. Wenn die Miete, Strom,- Gas- und Wasserabschläge nicht gezahlt werden können, droht die Kündigung des Mietverhältnisses und die Einstellung der Energieversorgung. Keine andere Pfändungsmaßnahme bringt so schnell so gravierende Nachteile.

Jeder, der von einer Kontopfändung betroffen ist, sollte daher diese 5 Fakten kennen, um sein Existenzminimum zu schützen:

1. Es gibt keinen automatischen Schutz vor Kontopfändungen.

Im Gegensatz zu einer Lohn- oder Gehaltspfändung gibt es bei einer Kontopfändung keinen automatischen Schutz des Existenzminiums. Bei einer Lohn- oder Gehaltspfändung erhalten Sie auch nach einer Pfändung beim Arbeitgeber Ihre unpfändbaren Bezüge. Sie werden vom Gesetzgeber so automatisch geschützt, ohne dass Sie etwas veranlassen müssen. Der Arbeitgeber muss selbst unter Berücksichtigung Ihrer gesetzlichen Unterhaltsverpflichtungen für Ihren Ehegatten oder Ihre Kinder berechnen, wie viel pfändbar ist und Ihnen die unpfändbaren Bezüge auszahlen. Wenn aber nun das unpfändbare Gehalt auf Ihr Konto überwiesen wird und zusätzlich Ihr Konto gepfändet wird, gibt es keinen automatischen Schutz für Ihr Guthaben auf dem Konto. Jeder Cent Guthaben, der sich auf Ihrem Konto befindet, kann gepfändet werden. Das gilt sogar für den Bezug von Sozialleistungen und Kindergeld, denn auf Ihrem Konto wird nicht mehr nach der Herkunft des Geldes unterschieden und automatisch kein Pfändungsschutz gewährt.

2. Nach einer Kontopfändung drängt die Zeit.

Damit Ihnen durch die Kontopfändung nicht alles genommen wird, müssen Sie nun selbst schnell aktiv werden. Sie selbst müssen Sie sich um die Einrichtung des Pfändungsschutzes kümmern. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht, wenn Sie die folgenden weiteren Schritte kennen.

Nach der Zustellung des Pfändungsbeschlusses an Ihre Bank oder Sparkasse haben Sie 4 Wochen Zeit den Pfändungsschutz auf Ihrem Konto einzurichten. Ihre Bank wird Sie über die Pfändungsmaßnahme informieren. Reagieren Sie nicht oder nicht schnell genug innerhalb von 4 Wochen, wird das gesamte Guthaben an den Gläubiger überwiesen.

Damit Sie einen Pfändungsschutz vor der Kontopfändung erhalten, müssen Sie zunächst bei Ihrer Bank Ihr Konto in ein P-Konto umstellen lassen. Sie müssen hierzu zu Ihrer Bank gehen und beantragen, dass Ihr gepfändetes Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto umgewandelt wird. Diesen ersten Schritt können Sie schnell erledigen.

Rechtlicher Hinweis zur Einrichtung des Pfändungsschutzkontos:

Auf die Umwandlung Ihres Kontos in ein Pfändungsschutzkonto haben Sie einen gesetzlichen Anspruch. Jeder hat gemäß § 850k ZPO das Recht ein Konto (aber nur ein Konto) in ein Pfändungsschutzkonto umwandeln zu lassen, um sein Existenzminimum zu schützen. Jede Bank oder Sparkasse ist gesetzlich verpflichtet, ein gepfändetes Konto innerhalb von 4 Werktagen in ein Pfändungsschutzkonto umzuwandeln.

3. Freibeträge auf dem P-Konto für Ehegatten, Kinder und Sozialleistungen müssen erst eingerichtet werden.

Wenn Sie Ihr Konto in ein Pfändungsschutzkonto umgewandelt haben, können Sie sich jedoch nicht entspannt zurücklehnen. Der nun vorhandene Pfändungsschutz ist nämlich auf einen Betrag in Höhe von 1.073,88 € begrenzt.

Die Umwandlung Ihres Kontos in ein Pfändungsschutzkonto führt gerade nicht zur Aufhebung der Pfändung und einem grundsätzlichen Verbot zukünftiger Kontopfändungen. Das Pfändungsschutzkonto ermöglicht Ihnen nach der Einrichtung zunächst lediglich über einen monatlichen Freibetrag bis zur Höhe von 1.073,88 € nach einer Kontopfändung zu verfügen. Wenn Sie vorsorglich Ihr Konto in ein Pfändungsschutzkonto umgewandelt haben und Ihr Konto noch nicht gepfändet ist, können Sie selbstverständlich über das gesamte Guthaben verfügen.

Ist Ihr Konto aber bereits gepfändet und werden Ihnen monatlich Zahlungen über diesem Freibetrag gutgeschrieben, greift die Kontopfändungen zu. Jeder Cent über dem Freibetrag von 1.073,88 € wird dann an den Gläubiger überwiesen, der die Kontopfändung veranlasst hat.

Damit auch das Existenzminimum Ihres Ehegatten und Ihrer Kinder geschützt wird, können weitere Freibeträge auf dem Pfändungsschutzkonto eingerichtet werden. Sie werden es bereits ahnen:

Auch die Einrichtung der weiteren Freibeträge auf dem Pfändungsschutzkonto erfolgt nicht automatisch. Es liegt wieder an Ihnen, sich um die Einrichtung des erweiterten Pfändungsschutzes zu kümmern.

Um zusätzliche Freibeträge für Ihren Ehegatten und Ihre Kinder zu erhalten, müssen Sie Ihrer Bank oder Sparkasse gemäß § 850k Absatz 5 Satz 2 ZPO eine Bescheinigung über die weiteren Freibeträge vorlegen. Eine solche Bescheinigung zur Einrichtung der weiteren Freibeträge erhalten Sie entweder von der Familienkasse, dem Jobcenter, dem Arbeitgeber, einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle oder einem Rechtsanwalt.

Was müssen Sie also nun konkret machen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie Sie den Pfändungsschutz auf Ihrem P-Konto nach einer Kontopfändung erhöhen können. So kommen Sie zu dem erweiterten Freibetrag auf Ihrem P-Konto:

Variante 1: P-Konto Bescheinigungen der Familienkasse und des Jobcenters

Wenn Sie verheiratet sind, Kinder haben und Sozialleistungen erhalten, können Sie bei der Familienkasse einen Termin vereinbaren, Ihr Schuldenproblem erläutern, von der Kontopfändung berichten und um eine Bescheinigung für den Kindergeldbezug bitten. Sie erhalten dann eine Bescheinigung der Familienkasse, aus der sich ergibt, in welcher Höhe Sie Kindergeld beziehen. Diese Bescheinigung legen Sie Ihrer Bank vor und Sie erhalten dann einen erhöhten Freibetrag für das Kindergeld auf Ihrem Pfändungsschutzkonto – mehr aber nicht.

Sie müssen jetzt zum Jobcenter. Vereinbaren Sie also am besten vorab einen Termin mit Ihrem Sachbearbeiter beim Jobcenter. Schildern Sie auch ihm Ihr Schuldenproblem und berichten Sie von Ihrer Kontopfändung. Bitten Sie Ihren Sachbearbeiter Ihnen eine Bescheinigung über den Sozialleistungsbezug auszustellen. Ihr Sachbearbeiter beim Jobcenter kann Ihnen dann für Ihr gepfändetes Konto eine Bescheinigung ausstellen aus der hervorgeht für wie viele weitere Personen Sie Sozialleistungen auf Ihr Konto überwiesen bekommen. Diese Bescheinigung des Jobcenters müssen Sie dann ebenfalls zur Ihrer Bank bringen. Dort erhalten Sie dann einen weiteren pauschalierten Freibetrag für jede Person, für die Sie Sozialleistungen erhalten.

ACHTUNG: Sollten Sie sich für diese Variante entscheiden, planen Sie bitte ausreichend Zeit ein, damit die Erhöhung des Freibetrages noch rechtzeitig durchgeführt werden kann.

Variante 2: P-Konto Bescheinigung vom Arbeitgeber

Sie können Ihren Arbeitgeber aufsuchen, ihm Ihre Schulden und die Kontopfändung offenbaren und ihn bitten, Ihnen eine entsprechende Bescheinigung auszustellen. Hierzu ist Ihr Arbeitgeber jedoch nicht verpflichtet. Sollte Ihr Arbeitgeber bereit und in der Lage sein, Ihnen eine Bescheinigung nach § 850k ZPO zu erstellen, müssen Sie wenn Sie auch Kindergeld erhalten im Anschluss noch die Familienkasse aufsuchen und dort wie unter Variante 1 beschrieben, um eine Bescheinigung für das Kindergeld bitten. Im Anschluss müssen Sie dann zu Ihrer Bank und die Bescheinigungen vorlegen.

Variante 3: P-Konto Bescheinigung von einer Schuldnerberatungsstelle

Die Bescheinigung zur Erhöhung des Freibetrages kann auch von einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle ausgestellt werden. Vergewissern Sie sich zuvor ausdrücklich, dass die Schuldnerberatungsstelle, die Sie aufsuchen wollen eine staatliche Anerkennung hat. Die Bezeichnung Schuldnerberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung, d.h. jeder kann sich Schuldnerberater nennen. Wenn aber keine staatliche Anerkennung vorliegt, wird die Bescheinigung nicht akzeptiert. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie eine Schuldnerberatungsstelle der Verbraucherzentrale, Caritas oder des ASB aufsuchen. Hier sollten Sie sich aber auch vorher vergewissern, ob die jeweilige Beratungsstelle auch Schuldnerberatungen anbietet und mit welchen Wartezeiten zu rechnen ist. Nicht jede Beratungsstelle bietet auch Schuldnerberatungen an und teilweise bestehen Wartezeiten von mehr als 6 Monaten.

Variante 4: P-Konto Bescheinigung vom Rechtsanwalt

Jeder Rechtsanwalt kann mit einer P-Konto Bescheinigung die weiteren Freibeträge für den Ehegatten, Kinder, Sozialleistungen und Kindergeld bescheinigen. Sie brauchen daher nur eine Bescheinigung. Ich biete als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht die Erstellung der P-Konto Bescheinigung auch online an. Sie können den Auftrag zur Erstellung einer P-Konto Bescheinigung bei einer Kontopfändung über meine Website online erteilen und erhalten die benötigte Bescheinigung nach einer Bearbeitungszeit von 24 Stunden per Post zu sich nach Hause. Die Bescheinigung müssen Sie Ihrer Bank nur noch vorlegen. So schützen Sie sich vor einer Kontopfändung einfach, schnell und mit anwaltlicher Verschwiegenheit.

4. Die eingerichteten Freibeträge gelten nur befristet.

Wenn Ihre Bank die erweiterten Freibeträge auf Ihrem P-Konto eingerichtet hat, gelten die Freibeträge leider nicht unbefristet. In der Regel verlangen die Banken nach einem Jahr eine neue Bescheinigung. Manche Banken stellen die Freibeträge aber auch nur für ein Jahr ein und vergessen Ihre Kunden an die erneute Vorlage einer Bescheinigung zu erinnern.

Tipp: Fragen Sie 11 Monate nach Vorlage der Bescheinigung bei Ihrer Bank nach wie lange die Bescheinigung noch gültig ist, damit Sie ausreichend Zeit haben eine neue Bescheinigung erstellen zu lassen, soweit sich die Pfändung bis dahin nicht erledigt hat.

5. Weitere Schritte nach einer Kontopfändung

Eine Kontopfändung sollte bei Ihnen als Alarmsignal ankommen. Durch eine Kontopfändung verschlechtert sich Ihre Bonität und es kann ein negativer Eintrag bei der Schufa erfolgen. Da sich durch den eingerichteten Schutz vor der Kontopfändung die Pfändung an sich nicht erledigt, sondern weiterhin auf Ihrem Konto vorgemerkt bleibt, sollten Sie nun Ihre finanzielle Situation analysieren oder analysieren lassen. Es sollte ein Lösungsweg erarbeitet werden, entweder durch Ratenzahlung die Kontopfändung durch Bezahlung der Schulden zu erledigen. Wenn weitere Verbindlichkeiten bestehen, sollte Ihre Gesamtsituation am besten im Rahmen einer Schuldnerberatung analysiert werden. Mit professioneller Hilfe wird sich dann ein Ausweg aus der Schuldenfalle finden lassen.