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Vergessen Sie keinen Gläubiger

Auch wenn Sie sich wegen Ihres Schuldenbereinigungsplans beraten lassen, müssen Sie selbst darauf achten, alle Ihre Gläubiger festzustellen. Diese Aufgabe kann niemand für Sie übernehmen. Nur Sie allein wissen, wo Sie Schulden haben. Dieser Umstand ist deshalb so wichtig, als nur diejenigen Gläubiger in die Schuldenbereinigung einbezogen werden, die Sie in Ihrer Gläubigerliste erfasst haben. Haben Sie nämlich einen einzelnen Gläubiger vergessen, nimmt dieser Gläubiger an der außergerichtlichen Schuldenbereinigung nicht teil. Dieser „ vergessene“ Gläubiger kann also weiterhin gegen Sie die Zwangsvollstreckung betreiben und im ungünstigsten Fall das Gerüst Ihres Schuldenbereinigungsplans zum Einsturz bringen. Auch im eröffneten Insolvenzverfahren kann Ihnen ein unvollständiges Gläubigerverzeichnis zum Verhängnis werden. Im Rahmen der Insolvenzbeantragung treffen Sie Auskunfts- und Mitwirkungsverpflichtungen. Die vollständige Angabe aller Gläubiger dient dazu, jedem Ihrer Gläubiger die Möglichkeit zu geben, sich an dem Verfahren zu beteiligen. Kann man Ihnen vorwerfen, dass Sie grob fahrlässig oder gar vorsätzlich einzelne Gläubiger nicht angegeben haben, kann dies im schlimmsten Fall dazu führen, dass man Ihnen insgesamt die Schulden über die Restschuldbefreiung nicht erlässt.

Ihre drohende Zahlungsunfähigkeit ist bereits ein Insolvenzgrund

Sie brauchen nicht abzuwarten, bis Sie endgültig zahlungsfähig oder hoffnungslos überschuldet sind. Es genügt, wenn Ihre Zahlungsunfähigkeit droht, Sie also aller Voraussicht nach nicht in der Lage sein werden, Ihre laufenden Verbindlichkeiten zu erfüllen.

Wenn auch der Ehepartner verschuldet ist

Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist eine persönliche Angelegenheit. Nur derjenige, der das Verfahren beantragt hat, wird entschuldet. Hat Ihr Ehepartner gleichfalls Schulden, muss er ein eigenständiges Verfahren in die Wege leiten. Es gibt kein Ehegatteninsolvenzverfahren. Haben Sie gemeinsame Schulden, muss sich jeder von Ihnen mit den Gläubigern einigen oder einen eigenen Insolvenzantrag stellen. Die Restschuldbefreiung, die zugunsten eines Ehepartners oder eingetragenen Lebenspartners ausgesprochen wird, hat auf die Person des anderen Partners keine Auswirkungen. Der Gläubiger, der seine Forderung gegen Ihre Person nur noch im Insolvenzverfahren geltend machen kann, kann die Forderung dennoch gegen Ihren Ehepartner vollumfänglich geltend machen. Als Gesamtschuldner haftet jeder Partner für die volle Forderung auch allein.

Überprüfen Sie die Forderungen Ihrer Gläubiger

Befinden Sie sich im Zahlungsverzug, setzt sich die Forderung Ihrer Gläubiger meist aus verschiedenen Kostenfaktoren zusammen. Vor allem Inkassounternehmen berechnen gerne überzogene Kosten und sind in der Bezeichnung gleichartiger Kostenfaktoren sehr erfinderisch. Jede einzelne Forderung ist darauf zu überprüfen, ob und inwieweit Kosten und Verzugszinsen richtig berechnet sind.

Im günstigsten Fall ist die Forderung verjährt. Die normale Verjährungsfrist beträgt drei Jahre. Sie beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist. Sofern Sie bereits Teilzahlungen geleistet oder die Forderung gegenüber dem Gläubiger ausdrücklich anerkannt haben, kann die Verjährung in ihrem Ablauf allerdings auch gehemmt sein. Möglicherweise haben Sie auch Gegenansprüche, beispielsweise Gewährleistungsansprüche beim Kaufvertrag oder Minderungsansprüche gegen Ihren Vermieter. Gerne überprüfe ich, Rechtsanwalt Max Postulka, für Sie, ob hierfür Ansätze bestehen.

Gläubiger mit besonderen Sicherungsrechten

Sie müssen berücksichtigen, ob und inwieweit die Forderung eines einzelnen Gläubigers gesondert abgesichert ist. Gehört Ihnen ein Haus und hat Ihre Bank im Grundbuch zur Absicherung eines Darlehens eine Grundschuld eingetragen, kann sich die Bank ungeachtet Ihrer Verbraucherinsolvenz aus der Grundschuld befriedigen. Sie wird Ihr Haus also zwangsversteigern. Gleiches gilt, wenn Sie Ihr über ein Darlehen finanziertes Auto an die Banken sicherungsübereignet oder Ihr Gehalt an einen einzelnen Gläubiger abgetreten haben.

Besonders problematisch ist meist die Abtretung des Gehalts. Mit der Abtretung haben Sie sich bereit erklärt, dass ein Gläubiger bei Zahlungsverzug seine Forderung direkt bei Ihrem Arbeitgeber geltend machen kann. Aufgrund dieser Abtretung wird ein solcher Gläubiger vorrangig befriedigt und kann Ihr pfändbares Gehalt einziehen. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Anspruch des Gläubigers in der Abtretungserklärung genau bezeichnet wurde und die Abtretung ihrem Umfang nach summenmäßig oder sachlich begrenzt ist.

Schicksal von Bürgen

Hat sich eine dritte Person für Sie verbürgt, kann ein Gläubiger diesen Bürgen nach wie vor in Anspruch nehmen. Ihre Privatinsolvenz entlastet den Bürgen nicht von seiner Verantwortung gegenüber dem Gläubiger. Ist auch der Bürge zahlungsunfähig und überschuldet, kann er seinerseits ein Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen. Im günstigsten Fall kann sich eine Bürgschaft unter bestimmten Voraussetzungen jedoch als sittenwidrig erweisen.

So lange dauert es, bis Ihre Bonität wiederhergestellt ist

Bevor Sie in das Verfahren einsteigen, müssen Sie den Zeitraum einkalkulieren, den Sie für die außergerichtliche Schuldenbereinigung benötigen. Je nachdem, wie viele Gläubiger Sie haben und wie intensiv Sie mit diesen kommunizieren und verhandeln, sollten Sie einige Monate einplanen.

Das eigentliche Verfahren beim Gericht dauert normalerweise sechs Jahre. Bezahlen Sie die Gebühren für den Insolvenzverwalter und das Gericht, kommen Sie bereits nach fünf Jahren in den Genuss der Restschuldbefreiung. Schaffen Sie es, innerhalb von drei Jahren nicht nur die Verfahrenskosten, sondern auch 35 % der Verbindlichkeiten zu begleichen, erhalten Sie bereits nach drei Jahren die Restschuldbefreiung. Noch schneller geht es nur, wenn Sie alle Ihre Gläubiger sofort, beispielsweise durch eine Einmalzahlung, befriedigen. Aber auch mit der Restschuldbefreiung müssen Sie noch eine Zeit lang mit dem Makel einer negativen Schufa leben. Das Merkmal des Insolvenzverfahrens wird erst nach drei Jahren, beginnend mit Ablauf des Jahres Ihrer Restschuldbefreiung, in der Schufa gelöscht. Im ungünstigsten Fall sollten Sie also circa zehn Jahre einkalkulieren, bis Ihre Bonität wiederhergestellt ist.

Verbraucherinsolvenzverfahren im Ausland

Im Vergleich zu Deutschland sind Insolvenzverfahren für Verbraucher im europäischen Ausland oft in wesentlich kürzeren Fristen durchzuführen. Es werden Fristen zwischen sechs und 12 Monaten genannt. Doch Vorsicht: Ein Verbraucherinsolvenzverfahren im Ausland, z.B. in England wird dennoch sehr streng gehandhabt. Um einen „Insolvenztourismus“ in die günstigste Verfahrensordnung zu vermeiden, müssen Sie regelmäßig nachweisen, dass Sie seit einem gewissen Zeitraum Ihren ständigen Wohnsitz in dem ausländischen Staat haben. Die Behörden prüfen dies in vielen Fällen ganz konkret nach. Meist wird verlangt, dass Sie einen Arbeitsplatz nachweisen. Teils sind die Kosten für den Aufenthalt vor Ort und für die Durchführung des Verfahrens auch so unverhältnismäßig hoch, dass sich eine verkürzte Verfahrensfrist nicht unbedingt rechnet.