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Lösungsansätze vor der Privatinsolvenz

Sie haben eine Kontopfändung erhalten? Dann wird es Zeit, dass Sie sich endgültig Gedanken über Ihre finanzielle Zukunft machen. Denn die Kontopfändung ist nur eine von einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die Ihnen in Ihrer Situation das Leben erschweren können. Sie müssen handeln. Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand. Damit lösen Sie keine Probleme. Sie brauchen auch nicht zu verzweifeln. Immerhin gibt es Wege, Situationen dieser Art einer Lösung zuzuführen.

Wenn Sie überschuldet und außerstande sind, Ihre laufenden Verbindlichkeiten zu bezahlen, sollten Sie nicht gleich an eine Privatinsolvenz oder ein Verbraucherinsolvenzverfahren denken. Vor allem dann, wenn Sie nur wenige oder vielleicht nur einen einzigen Gläubiger oder nur geringe Verbindlichkeiten haben, dürfte eine Verbraucherinsolvenz nicht unbedingt die beste Lösung sein. Die Privatinsolvenz kann in der Perspektive eine Lösung bieten, vorausgesetzt, andere Lösungsansätze sind gescheitert. Vorab ist zu klären, in welcher Situation Sie konkret stehen.

Warum nicht gleich Privatinsolvenz beantragen?

Die Privat- oder Verbraucherinsolvenz setzt zwar zwingend auch den außergerichtlichen Einigungsversuch mit Ihren Gläubigern voraus. Dennoch sollten Sie einen solchen Einigungsversuch nicht gleich mit der Perspektive des Privatinsolvenzverfahrens betrachten. Denn: Eine Verbraucherinsolvenz ist leichter gesagt als getan. Vor allem sollten Sie trotz Ihrer Schulden nicht voreilig handeln. Vor der Privatinsolvenz gilt es, noch andere Lösungsansätze zu nutzen. Das Privatinsolvenzverfahren ist sehr bürokratisch. Es zieht sich über mehrere Jahre hinweg und verursacht nicht unerhebliche Kosten und Gebühren.

Bevor Sie sich überhaupt mit dem Thema Privatinsolvenz beschäftigen, sollten Sie versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen und sich mit Ihren Gläubigern einvernehmlich zu verständigen. Erstellen Sie einen Zahlungsplan und bemühen Sie sich ernsthaft, Ihren Gläubigern eine Lösung Ihrer finanziellen Probleme anzubieten. Diese Vorgabe kann dazu führen, dass sich Forderungen nach und nach erledigen und Sie gar nicht mehr darauf angewiesen sind, tatsächlich die Verbraucherinsolvenz durchzuführen oder sich gar damit zu beschäftigen.

In welcher Ausgangssituation stehen Sie?

Werden Sie mit einer Zwangsvollstreckungsmaßnahme eines Gläubigers überzogen, kann dies unterschiedliche Gründe haben. Auf jeden Fall ist es so, dass Ihr Gläubiger seine Forderung offensichtlich gerichtlich geltend gemacht hat (z.B. Mahn- und Vollstreckungsbescheid, Zahlungsklage) und nunmehr über einen vollstreckbaren Titel verfügt. Mit diesem Titel kann er gegen Sie zwangsweise vollstrecken. Als Vollstreckungsmaßnahmen kommen die Kontopfändung, die Pfändung Ihres Gehalts bei Ihrem Arbeitgeber, die Pfändung Ihres Hausrats durch den Gerichtsvollzieher und in letzter Konsequenz auch die Vermögensauskunft über Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse in Betracht.

Lösungsansätze in der finanziellen Krise

1. Verhandeln Sie mit dem Gläubiger

Haben Sie nur einen oder nur wenige Gläubiger, versuchen Sie zunächst, mit den Gläubigern über die Forderung zu verhandeln. Im günstigsten Fall erreichen Sie, dass die Gläubiger Ihnen erlauben, die Forderung in Teilzahlungen zu erledigen. Erklären Sie, in welcher finanziellen und wirtschaftlichen Situation Sie sich gerade befinden. Möglicherweise sind Sie arbeitslos geworden, leben in Scheidung oder müssen irgendwelche außergewöhnlichen Belastungen stemmen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Situation objektiv und einigermaßen ehrlich schildern. Übertreibungen wirken wenig glaubwürdig. Je realistischer Sie Ihre Situation darstellen, desto eher lässt sich ein Gläubiger überzeugen. Schließlich ist auch er nur daran interessiert, sein Geld zu bekommen. Auch Gläubiger wissen, dass Sie mit der Abgabe einer Vermögensauskunft mit ihrer Forderung ins Leere laufen. Tun Sie sich schwer, mit einem Gläubiger Ihre finanzielle Situation zu verhandeln, stehe ich, Rechtsanwalt Max Postulka, Ihnen gerne zur Verfügung.

2. Wandeln Sie Ihr Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto um

Soweit Sie von einer Kontopfändung betroffen sind, sollten Sie Ihr Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto umwandeln. Ihre Bank ist gesetzlich verpflichtet, Ihnen insoweit Pfändungsschutz zu gewähren. Damit können Sie in der Höhe Ihrer persönlichen Freibeträge über Ihr Guthaben auf dem Girokonto verfügen. Sie gewährleisten damit Ihren Lebensunterhalt und sind durch die Vollstreckungsmaßnahme nicht mehr erpressbar. Sie brauchen sich dann nicht mehr einschüchtern zu lassen. Gläubiger drohen nämlich gerne damit, dass Sie wegen der Pfändung Ihres Kontos die Stromrechnungen nicht mehr überweisen könnten und Ihre Bank Lastschriften zurückgeben müsse. Diese Drohungen gehen mit der Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos weitgehend ins Leere

3. Vereinbaren Sie mit dem Gerichtsvollzieher eine Zahlungsregelung

Auch wenn Sie Besuch vom Gerichtsvollzieher gekommen, besteht kein Grund, keine Perspektiven mehr zu sehen. Der Gerichtsvollzieher ist nach dem Gesetz verpflichtet, eine gütliche Erledigung der Sache zu versuchen. Oft bietet der Gläubiger von sich aus eine Zahlungsvereinbarung an. Dann kann der Gerichtsvollzieher eine Zahlungsfrist einräumen oder die Tilgung der Forderung in Raten gestatten. Sie müssen dazu darlegen, dass Sie die Forderung nicht in einer Summe sofort erbringen können. Je nach der Höhe der Forderung und Ihren Einkommensverhältnissen kann die Tilgung der Forderung auf bis zu 12 Monate ausgedehnt werden. In Ausnahmefällen sind noch längere Zeiträume verhandelbar.

4. Auch die Vermögensauskunft ist nicht der Endpunkt

Sofern Sie jedoch keinen Ausweg sehen, bleibt in letzter Konsequenz natürlich nur die Abgabe der Vermögensauskunft. Dann sind Sie verpflichtet, ein Vermögensverzeichnis vorzulegen, Ihre Einkommensverhältnisse zu offenbaren und Ihre Angaben an Eides statt zu versichern. Aber auch dann bleibt Ihr Einkommen bis zur Höhe Ihrer persönlichen Freibeträge geschützt. Spätestens mit der Abgabe der Vermögensauskunft ist Ihre Bonität an einem Endpunkt angelangt. Sie gelten bei Banken als nicht mehr kreditwürdig und können beispielsweise im Onlinehandel nur noch gegen Vorauskasse einkaufen.

5. Perspektiven nach der Vermögensauskunft

Mit der Abgabe der Vermögensauskunft weiß Ihr Gläubiger endgültig, dass Sie derzeit zahlungsunfähig sind. Gläubiger können Sie nach Ablauf von zwei Jahren nach Abgabe der Vermögensauskunft erneut zur Vermögensauskunft auffordern. In dieser Zeit sind Sie vor weiteren Vollstreckungsmaßnahmen nicht geschützt. Ein Gläubiger kann trotzdem noch eine Kontopfändung ausbringen oder Ihr Gehalt pfänden, sofern er dies nicht bereits ohnehin getan hat.

Ihr Vorteil besteht aber darin, dass Sie mit dem Gläubiger jetzt trotzdem noch über eine eventuelle Zahlungsregelung verhandeln können. Im günstigsten Fall erreichen Sie, dass sich Ihr Gläubiger bereit erklärt, auf einen gewissen Teil seiner Forderung zu verzichten. Diese Bereitschaft ist dann am größten, wenn Sie sich in der Lage sehen, einen vielleicht etwas größeren Betrag in einer Summe zu zahlen oder wenigstens größere Teilbeträge zu entrichten. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, sich Geld bei Verwandten oder Bekannten zu leihen. Bei Ihrer Bank werden Sie im Regelfall keinen Erfolg haben, da Sie infolge der Vermögensauskunft als nicht mehr kreditwürdig gelten und eher unerwünscht sind.

Oberste Regel bei allen Verhandlungen

Bei jeder Vorgehensweise ist es wichtig, dass Sie sich vor Einleitung des jeweiligen Schrittes eine Übersicht über Ihre Gesamtsituation verschaffen.

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass nur die Verbindlichkeit betrachtet wird, die am hartnäckigsten geltend gemacht wird. Wenn Inkassounternehmen nicht locker lassen und Sie wöchentlich mit Anrufen oder Briefen drängen auch nur geringe Raten zu zahlen, sollten Sie nicht einfach darauf eingehen, nur um Ihre Ruhe zu haben. Vielfach werden kleine Raten vereinbart, von denen nur das Inkassounternehmen selbst profitiert, weil mit jeder Zahlungsvereinbarung zusätzliche Gebühren berechnet werden. Aufgrund der oft sehr hohen Zinsen und Kosten führen die geringen Raten nicht dazu, dass Sie Ihre Verbindlichkeiten jemals tilgen werden. Sollten Sie also in Erwägung ziehen mit einem Gläubiger eine Ratenzahlungsvereinbarung zu treffen, lassen Sie sich vorab einen Tilgungsplan übersenden. Hieraus können Sie dann ersehen, ob und wenn ja wann eine Gesamtregulierung Ihrer Verbindlichkeit eintreten wird.

Haben Sie bei mehreren Gläubigern Schulden, müssen Sie in diese Betrachtung sämtliche Schulden einbeziehen. Es bringt Sie nicht weiter, wenn Sie versuchen ein Loch zu stopfen und gleichzeitig neue Löcher aufreißen, da die Mittel, die Sie dann einem einzelnen Gläubiger zukommen lassen fehlen, um andere Schulden zu begleichen.

Wenn Sie bei mehreren Gläubigern Schulden haben, müssen Sie sich über drei wesentliche Punkte Gedanken machen.

1. Wie hoch sind Ihr Einkommen und Ihr Vermögen?

Verschaffen Sie sich zunächst eine Übersicht über Ihr Einkommen und Ihre Vermögenswerte. Wenn Sie Verbindlichkeiten haben, macht es keinen Sinn etwaige Sparpläne oder Lebensversicherungen mit monatlichen Raten zu bedienen. Sie erhalten in der heutigen Zeit nur geringe Zinsen und müssen auf der anderen Seite für Ihre Verbindlichkeiten hohe Verzugszinsen zahlen. Sparen oder Rücklagenbildung ist in der jetzigen Situation also Geldvernichtung. Prüfen Sie daher auch, in wie weit etwaiges Sparvermögen kurzfristig zur Schuldentilgung eingesetzt werden kann oder ob es Gegenstände gibt, die Sie verkaufen können, um Ihre Schulden zu bezahlen. Bevor Sie hiermit beginnen, sollten Sie sich jedoch zunächst eine schonungslose Übersicht über Ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen verschaffen.

2. Wie hoch sind Ihre regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen?

Damit Sie nicht durch die Tilgung einzelner Schulden immer wieder neue Löcher aufreißen und so in eine Schuldenspirale gelangen, müssen Sie sich zuerst einen Überblick über Ihre regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen verschaffen.

Erstellen Sie eine Liste über Ihre regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen. Gehen Sie Ihren Kontoauszug durch, damit Sie nichts vergessen. Erfassen Sie insbesondere Ihre Miete, Strom-, Gas, Wasserkosten, etwaige zu erwartende Nachzahlungen aus der Nebenkostenabrechnung, Telefonkosten, Versicherungsbeiträge für Haftpflicht- und Kfz-Versicherungen, Unterhaltsverpflichtungen, etc.

Vergessen Sie auch nicht für jede Person in Ihrem Haushalt ein monatliches Budget von mindesten 300,00 € pro Monat für Essen und Kleidung in Ihre Betrachtung einzubeziehen. Eine Schuldentilgung geht oft über mehrere Jahre. Aus diesem Grunde ist es wichtig, wirklich alle Kosten zu erfassen.

Ziehen Sie nun von Ihrem verfügbaren Einkommen die laufenden Kosten ab. Auf diese Weise haben Sie sich einen Überblick verschafft, welcher Betrag Ihnen monatlich zur Tilgung aller Schulden zur Verfügung steht.

3. Wie hoch sind Ihre Verbindlichkeiten?

Erfassen Sie als nächstes alle Verbindlichkeiten einzeln. Beziehen Sie wirklich jede einzelne Verbindlichkeit in Ihre Betrachtung ein. Wenn Sie die Punkte 1 und 2 befolgt haben, ist Ihr Budget bereits so knapp kalkuliert, dass kein Raum für weitere Zahlungen vorhanden ist, die Sie mal nebenher tilgen können.

Wenn Ihnen die Höhe der Schuld bei einem oder dem anderen Gläubiger nicht bekannt ist, fragen Sie nach. Der Gläubiger wird Ihnen eine Forderungsaufstellung übersenden, aus der Sie den aktuellen Stand Ihrer Verbindlichkeiten ersehen können. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie alle Gläubiger erfasst haben, sollten Sie bei der Schufa eine Selbstauskunft beantragen, um sicherzustellen, dass Sie niemanden vergessen haben. Zusätzlich können Sie auch online einen Zugang zum Vollstreckungsprotal der Länder beantragen, um Ihre Daten einzusehen und festzustellen, wer gegen Sie Vollstreckungsmaßnahmen durchführt.

Nachdem Sie alle Verbindlichkeiten aufgeführt haben, bilden Sie eine Summe. Sie haben sich jetzt einen Überblick über Ihr Einkommen, Ihre regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen und über Ihre Gesamtschulden verschafft. Nun teilen Sie die Gesamtschulden durch die Differenz Ihres verfügbaren Einkommens abzüglich der Summe der regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen.

Gesamtschulden
—————————————————————— = Anzahl der monatlichen Raten

(Einkommen – regelmäßige Zahlungsverpflichtungen)

 

Oder

Ziehen Sie vom Einkommen zunächst die regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen ab. Sie erhalten das monatliche Budget für die Schuldentilgung. Merken Sie sich diesen Betrag. Teilen Sie die Gesamtschulden durch das monatliche Budget für die Schuldentilgung.

Einkommen – regelmäßige Zahlungsverpflichtungen = monatliches Budget für Schuldentilgung

Gesamtschulden : monatliches Budget für Schuldentilgung = Anzahl der monatlichen Raten

Sie haben nun die Anzahl der Monate ermittelt, die Sie in etwa benötigen, um Ihre Gesamtschulden mit Ihrem derzeitigen Einkommen zu tilgen. Bei dieser Berechnung sind jedoch noch einige Faktoren unberücksichtigt.

Die laufenden Zinsen und Kosten für den Abschluss der Ratenzahlungsvereinbarungen sind nicht einkalkuliert. Viele Gläubiger sind jedoch bereit die Verbindlichkeit festzuschreiben und so auf weitere Zinsen und Kosten zu verzichten.

Einkommensschwankungen sind ebenfalls noch nicht berücksichtigt. Sollten Sie nur über einen befristeten Arbeitsvertrag verfügen, müssen Sie sorgfältig überlegen, ob von dem monatlichen Budget für die Schuldentilgung nicht noch ein Sicherheitsabschlag abgezogen werden sollte, um Zeiten von vorübergehender Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen.

4. So handeln Sie richtig bei einer drohenden Insolvenz

Prinzipiell gilt: Je schneller Sie Ihre Verbindlichkeiten tilgen können, desto besser. Überlegen Sie daher auch, ob es nicht möglich ist zusätzliches Einkommen durch einen Nebenjob zu erzielen. Bleiben Sie aber realistisch bei Ihrer Kalkulation. Wenn Sie zu hohe Raten vereinbaren, die Sie dauerhaft nicht einhalten können, droht auf kurz oder lang die Aufkündigung der Ratenzahlungsvereinbarung, die nicht nur mit weiteren Kosten verbunden ist, sondern auch den erneuten Abschluss einer Ratenzahlungsvereinbarung erschwert.

Wenn Ihre Berechnung eine Laufzeit von mehr als 84 Monaten (7 Jahre) ergeben hat, empfehle ich Ihnen dringend eine professionelle Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen. Es muss dann sorgfältig geprüft werden, ob ein Verbraucherinsolvenzverfahren nicht doch den besseren Weg zu einer schnelleren Entschuldung darstellt. Vielfach lassen sich auch Verzichte mit den Gläubigern aushandeln, wenn die Möglichkeit besteht, durch die Aufnahme eines privaten Darlehens eine einmalige Zahlung anzubieten.

Sofern Sie mit den Gläubigern keine Verständigung herbeiführen können, bleibt Ihnen natürlich in allerletzter Konsequenz tatsächlich nur noch, die Privatinsolvenz zu beantragen und über die Restschuldbefreiung Ihre Bonität wiederherzustellen.

Gerne begleite ich, Rechtsanwalt Max Postulka in Köln, Sie auf dem Weg zu einem schuldenfreien Neuanfang. Ich biete Ihnen neben einer individuellen Erstberatung an, die Verhandlungsführung mit Ihren Gläubigern und notfalls auch die Beantragung des Verbraucherinsolvenzverfahrens zu